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Hinter Gittern aus Sicht eines Verurteilten

 

Wie empfinde ich die Haft? Diese Frage lässt sieht gar nicht so einfach beantworten, da es stark von der jeweiligen Tagesform oder aber auch von den momentanen Umständen abhängig ist( Mithäftlinge, Bedienstete oder Familiäre Situation ). Die meisten Gedanken macht man sich sicherlich am beging der Haftzeit, wenn einem das Urteil noch bevor steht. Vor allem direkt nach dem die Polizei die Verhaftung vorgenommen hat und noch nicht klar ist wie lange die Strafe wird bzw. wo man die Haftstrafe absitzen muss. Überhaupt ist die ständige Ungewissheit das größte Problem, was für ein Urteil bekomme ich? Bekomme ich später eventuell auch die Chance auf eine Entlassung zu 2/3. Das heißt, nach verbüßen einer Freiheitsstrafe die beispielsweise insgesamt drei Jahre beträgt, kann man nach zwei Jahren zur Bewährung entlassen werden. Wenn man die Formellen Voraussetzungen nach § 57 StGB erfüllt. Aussetzung des Strafrestes bei zeitiger Freiheitsstrafe erfolgt wenn: „1. zwei Drittel der verhängten Strafe, mindest jedoch zwei Monate, verbüßt sind,

 

2. dies unter Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit verantwortet werden kann, und

 

3. die verurteilte Person einwilligt.

 

Bei der Entscheidung sind insbesondere die Persönlichkeit der verurteilten Person, ihr Vorleben, die Umstände ihrer Tat, das Gewicht des bei einem Rückfall bedrohten Rechtsguts, das Verhalten der verurteilten Person im Vollzug, ihre Lebensverhältnisse und die Wirkung zu berücksichtigen, die von der Aussetzung für sie zu erwarten sind.

 

Ständig macht man sich Gedanken über den Verlauf der Haft, denkt an die Zeit nach dem Knast oder aber an momentan aktuelle Probleme. Aber es gibt nicht nur schlechte dinge in bzw. an der Haft, beispielsweise lernt man mit wenig aus zu kommen: Wenig Geld, wenig Platz, wenig Möglichkeiten zur freien Entfaltung, wenig Liebe, wenig Platz für Gefühle und vor allem wenig Geborgenheit. Klar gibt es auch dinge die wirklich positiv sind, man kann seine komplette Lebenssituation über denken und neue Pläne für die Zukunft schmieden, ebenso kann man die Zeit nutzen um seine Kreativität aus zu Leben oder zumindest dies zu versuchen, indem man malt, schreibt oder bastelt. Zumindest insofern es in Rahmen der Anstaltsordnung möglich ist. Es gibt wohl keinen anderen Ort an dem sich die Gedanken um so viele Kleinigkeiten bzw. umso banale Dinge drehen wie im Gefängnis. So drehte sich beispielweise einer meiner ersten Gedanken um ein Lied das ich aus meiner Schulzeit kannte und in dem es heißt die Gedanken sind frei, so ein Blödsinn dachte ich, den egal über was ich auch nachdachte es kam immer ein Moment in dem ich an den Knast denken musste.

Ja Knast oder sollte man Gefängnis oder besser wie im Behördendeutsch Justizvollzugsanstalt sagen, früher hieß es einmal Zuchthaus, aber früher wahren die Häftlinge bzw. die Inhaftierten auch in Zellen untergebracht und nicht wie heute in einem Haftraum, oder sollte man den Haftraum schon nur noch als Lebensabschnittsunterkunft bezeichnen.

 

Aber wie soll man einem Außenstehenden erklären wie es im Gefängnis ist, Gefühle kann man nun einmal nur sehr schwer beschreiben und jeder nimmt die Haft auf seine weise Wahr, jeder Mensch fühlt anders und jeder Mensch hat andere Bedürfnisse die er vermisst. Jedoch ist sicherlich der Verlust der Räumlichen Freiheit noch das kleinste Problem.

 

Viel schmerzhafter ist der Verlust der Persönlichen Freiheit bzw. die Entmündigung, die einem quasi handlungsunfähig macht und aus jedem noch so kleinen Problem einen klein Staatsakt werden lässt. So sind beispielsweise Telefonate mit Behörden nur über den Sozialarbeiter möglich.

 

Wodurch aus dingen die normal durch ein Telefonat schnell zu klären währen, oft eine mehr wöchige Aktion wird, da man zuerst einen Antrag an den Sozialarbeiter stellen muss und es dann häufig lange dauert bis dieser einmal Zeit hat. Ebenso ist der Kontakt zu den Angehörigen sehr schwierig da er lediglich auf Telefonate, Briefe und zwei Besuchstermine im Monat begrenzt ist. Ja Familie, man verpasst die wichtigsten Ereignisse in der Entwicklung seiner Kinder, wie zum Beispiel die Einschulung.

 

Natürlich vermisst man auch die Partnerin oder die Möglichkeit eine Partnerschaft aufzubauen, sicher denkt man bis weilen das ein neu Start ohne Partnerin vielleicht leichter ist, da man dann nur für sich selbst verantwortlich ist, andererseits bietet eine Partnerschaft natürlich auch Halt und Geborgenheit, man vermisst natürlich auch die nähe zur Partnerin, womit ich nicht einmal auf Sex anspielen möchte, sondern mehr auf die ganz normale Nähe zu einer Frau, kuscheln, einander festhalten, ganz einfache Zärtlichkeiten und das Gefühl nicht alleine zu sein, gebraucht zu werden bzw. jemanden zu haben der auf einem wartet, der einem liebt der einem Vertraut. Aber es bleibt einem nichts anderes übrig als das beste aus der Situation zu machen, man ist ja selber Schuld daran und so versucht man halt die zeit so sinnvoll wie nur möglich nutzen, man geht ihn verschiedene Gesprächsgruppen, versucht wie in meinem Fall, seine Erfahrungen und Ansichten in Texte zu fassen und hofft steht's das es einem gelingt nach der Haft wieder ein normales Leben zu fuhren, man für seine Familie sorgen kann und man auch beruflich gut voran kommt bzw. das man überhaupt erst einmal eine feste Arbeit findet.

 

Aber dafür muss man erst einmal die Haft hinter sich bringen und das ist nicht gerade immer einfach, den zusätzlich zu den Eigenen Problemen wird man häufig noch mit den Problemen der Anderen belastet. Vor allem Mitgefangenen, die kurze Strafen haben sind zu meist besonders stark am jammern und rauben einem damit den letzten Nerv, zusätzlich gibt es dann noch die, die sowieso über alles jammern und scheinbar noch gar nicht so richtig begriffen haben wo sie eigentlich sind und vor allem nicht wieso. Überhaupt sollte man um die Haft zu überstehen gute Nerven haben. Ebenso sollte man gewissermaßen Multinational eingestellt sein da hier quasi jede Kultur zumindest jedoch jede Nationalität vertreten ist.

 

So das neben guten Nerven auch Toleranz sehr wichtig ist, zwar ist man nicht direkt gezwungen sich mit jedem abzugeben aber natürlich ist es auch schwierig sich auf einem solch begrenzten Raum aus dem Weg zu gehen. Am besten ist es wenn man sich ein paar Leute sucht mit denen man gut auskommt und zum Rest nur guten Morgen, Mahlzeit und gute Nacht sagt und sie ihres Weges ziehen lässt. Aber es muss hier auch einmal erwähnt werden, das dass leben im Gefängnis nicht wie häufig gedacht durch Gewalt geprägt ist, sondern das es hier im großen und ganzen eigentlich ziemlich human zu geht und es sehr viel Hilfsbereitschaft unter den Gefangenen gibt, was wohl auch daran liegt das hier quasi alle in einem Boot sitzen bzw. das alle ein Schicksal miteinander teilen.

 

Natürlich gibt es aber auch ab und zu Streit zwischen den Insassen was wohl auch nicht zu vermeiden ist wenn so viele Menschen auf so engen Raum zusammen Leben müssen.

 

Zumal man ja nicht nur die eigenen Probleme zu bewältigen hat sondern häufig auch noch mit den Problemen der Angehörigen belastet wird. Das wichtigste ist aber meiner Meinung nach das man die richtige Einstellung zu seiner Strafe hat und diese auch akzeptiert.

 

Aber wie bereits anfangs gesagt es ist nicht einfach bzw. eigentlich gar nicht möglich einem Außenstehenden zu beschreiben wie es im Gefängnis ist. Die Erfahrungen der Häftlinge während der Haft sind ebenso verschieden wie die Insassen selbst, jeder hat eine andere Geschichte, jeder eine andere Vergangenheit, jeder eine andere Zukunft.

 

 

 

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